Gedanken zur Zucht

  1. Unsere Zucht – Leitlinien und Maßstäbe

  2. Gos d’Atura-Zucht in Deutschland – Zur Situation

1. Unsere Zucht – Leitlinien und Maßstäbe

Die Freude am Umgang mit den Hunden steht für uns als Gos d’Atura Züchter im Vordergrund. Wir betreiben die Gos d’Atura Zucht in unserem Zwinger mariliuna als Hobby-Zucht. Gos d’Atura Català ist die catalanische Bezeichnung. Im spanischen trägt die Rasse die Bezeichnung Perro de Pastor Catalan. Neben Hunden dieser Rasse besitzen und züchten wir keine weiteren Hunde. Welpen kommen daher bei uns nicht regelmäßig zur Welt, sondern nur dann, wenn es den Hündinnen zumutbar ist. Wer einmal eine Hündin nach Absetzen der Welpen, d.h. nachdem sie ihr neues Zuhause gefunden haben, aufmerksam betrachtet, der bemerkt schnell, wie sehr der Stress der Welpenaufzucht an ihren Kräften gezehrt hat. Es dauert eine Weile, bis sie sich davon wieder erholt. Es liegt in unserer Verantwortung, diese Zeit in so ausreichendem Maß zu gewähren, dass der Hündin die Lebensfreude nicht genommen wird!

Die von uns gezüchtete Rasse ist glücklicherweise noch immer durch ihren ursprünglichen Charakter geprägt:

lebhaft, intelligent und aufmerksam

Wir sehen unsere Aufgabe als  Züchter darin, diese Eigenschaften mit unserer Gos d’Atura Zucht unbedingt zu bewahren und garantieren dabei:

  • Unsere Hunde leben im Familienverbund und stehen in unserem Eigentum.
  • Eine Hündin wird nicht vor Vollendung des 2. Lebensjahres gedeckt, sie hat in ihrem
    Leben höchstens 4 Würfe
  • Alle Welpen, die wir anbieten, wurden bei uns geboren und im Haus aufgezogen.
  • Sämtliche Welpen stammen von unseren Hündinnen ab.
  • Eine Haltung im Zwinger oder Anbindehaltung findet zu keiner Zeit statt. Nicht nur auf Fotos! Unsere Hündinnen werden nur von Rüden belegt, die ebenfalls nicht im Zwinger gehalten werden. Wir garantieren dies, weil wir Charakterschäden bei Zwingerhunden beobachtet haben und diese unseren Welpen ersparen wollen

Darauf kann man sich verlassen!

Unsere Hunde leben mit uns im Haus, weil Familienanschluss wichtig ist für die Entwicklung und das Verhalten der Gos d’Atura. Eine Haltung im Zwinger findet zu keiner Zeit statt, weil sie dem Wesen des Gos d’Atura als Hüte- und Herdenhund absolut entgegensteht.

Wir wohnen in ländlicher Umgebung. Eine ideale Voraussetzung für die täglich notwendige Bewegung in der Natur.

Die Entscheidung für einen Welpen erfolgt nicht spontan – zumindest sollte es so sein. Wir bieten allen Interessenten daher an, sich über die Gos d’Atura, deren Eigenschaften, Ansprüche und Eigenheiten bei uns zu informieren, bevor sie sich entschließen, einen Welpen zu erwerben. Auch nach der Übergabe bleiben wir in Verbindung im Rahmen von Welpentreffen, Gesprächsrunden und Gedankenaustausch. Selbstverständlich stehen wir darüber hinaus mit Rat und Tat zu Seite.

Unsere Gos d’Atura Welpen werden alle 12-14 Tage entwurmt. Bevor sie in ihr neues Zuhause wechseln, nach ca. 8 Wochen, werden sie geimpft und erhalten einen Microchip. Ab der 3. Lebenswoche beziehen wir unsere zweite Hündin in die Erziehung mit ein. Wir machen die Welpen mit Alltagsgeräuschen vertraut und gewöhnen sie an den Umgang mit Menschen unterschiedlichen Alters, hier besonders an Kinder. Gerne können sie die Welpen ab der 3.Woche auch bei uns besuchen.

Wenn die Welpen nach 8 Wochen unser Haus verlassen, kennen sie bereits viele Dinge und Geräusche aus Haus und Garten, die Voraussetzung für den späteren furchtlosen Umgang mit verschiedenen Situationen sind. Sie kennen Haushaltsgeräusche vom Radio bis zum Staubsauger genauso wie verschiedene Gartengeräte, z.B. den Rasenmäher.  Die Welpen sind an Halsband und Spaziergänge an der Leine gewöhnt und haben die ersten Fahrten mit dem Auto hinter sich.

Umfangreiche Informationen begleiten sie zu Herrchen und Frauchen. Darin findet man Tipps zum Umgang mit dem neuen Mitbewohner, damit der Start in die neue Umgebung problemlos über die Bühne geht.

Sogenanntes Zuchtrecht/Zuchtüberlassungsrecht lehnen wir strikt ab. Dabei leben die Hündinnen in ihren Familien, werden aber unmittelbar vor dem Deckakt von dort abgeholt und bleiben bis zum Absetzen der Welpen (Übergabe an die Käufer) in der Obhut des Züchters oder der Züchterin. In Ausnahmefällen mag es Gründe für eine derartige Praxis geben, z.B. bei Erkrankung des Zuchtverantwortlichen. Regelmäßig betrieben, ist diese Art der Zucht abzulehnen. Die Hündin wird aus ihrer gewohnten Umgebung herausgenommen. Sie muss sich dabei nicht nur auf die veränderten Verhältnisse einrichten, sondern auch ihr Immunsystem umstellen, damit die Welpen gegen die örtliche Keimflora geschützt sind. Mindestens genauso wichtig für eine verantwortliche Zucht ist aber der tägliche Umgang mit den zur Zucht eingesetzten Hunden. Nur dadurch kann der Züchter erkennen, ob sich Auffälligkeiten im Verhalten und im Wesen zeigen, die einen Hund sogar von der weiteren Zucht ausschließen. Ein Züchter, der seine Zuchthunde nur sporadisch sieht, ist zu einem solchen Urteil eher nicht in der Lage. Hinzu kommt die Bindung der Hunde an ihr Familien-Rudel, die wir gerade bei den Gos d’Aturas besonders ausgeprägt beobachten. Ein Wechsel der Umgebung, noch dazu in der Phase der Trächtigkeit und der Welpenaufzucht, führt mindestens zu einer erheblichen Verunsicherung der Hündin.

Wir stellen fest, dass sich das Erscheinungsbild der Gos d’Atura Catala zu stärkerem Haarkleid hin wandelt. Dies scheint die Chancen bei Ausstellungen zu erhöhen, entspricht aber nicht dem Rassestandard. In unserem Gos d’Atura Zwinger wollen wir uns für die Erhaltung der im Rassestandard festgelegten Statur sowie des dort beschriebenen Aussehens einsetzen und uns dafür stark machen.

 

2. Gos d’Atura-Zucht in Deutschland – Gedanken zur Sitiuation
(Stand: 17.11.2011)

Es gibt aktuell zwei Vereine und einen Club, die sich mit der Rasse Gos d’Atura Català befassen:

  • Perro de Pastor Catalan e.V. – PPC
  • Club Gos d’Atura Català Deutschland e.V. – Verein zur Gesunderhaltung und Notvermittlung der Rasse Gos d’Atura Català – CGC
  • Gos d’Atura Club Deutschland – GCD

Wir sind Mitglied im PPC, waren früher im CGC und als Gründungsmitglied für wenige Tage im Gos d’Atura Club Deutschland. Drei Clubs für die geringe Zahl an Gos in Deutschland, sind das nicht zwei zuviel? Uneingeschränkt muss man die Frage mit ‘Ja’ beantworten. Aber leider haben in den Clubs nicht die Hunde das Sagen, sondern die Menschen, die sich nicht immer so lieben, wie der Hund sein Frauchen und sein Herrchen.

Der CGC war der erste Verein, in dem sich Gos-Freunde zusammenschlossen.  Der PPC ist aus dem CGC hervorgegangen, weil sich die Mitglieder nicht einig waren. Problematisch erschien Vielen die Meinungsbildung innerhalb des Vereins. Nach unseren Beobachtungen widmet sich der CGC mittlerweile hauptsächlich der Vermittlung von Hunden aus spanischen Heimen und aus Notfällen. Dem hat man auch durch einen Zusatz zum Vereinsnamen Rechnung getragen. Züchterische Aktivitäten finden in diesem Verein kaum mehr statt.

Züchter und Zuchtrüdenbesitzer in Deutschland sind größtenteils im PPC organisiert. Mit großer Energie wurden besonders in den vergangenen 2 Jahren die Voraussetzungen für die Aufnahme des Vereins in den VDH betrieben. Nach Darstellung des amtierenden Vorstands waren die Aktivitäten des Vereins im Aufnahmeverfahren fehlerhaft, so dass der VDH (Verband  für das Deutsche Hundewesen) dem Antrag zur vorläufigen Mitgliedschaft nicht entsprechen konnte.  Dadurch werden die Züchter auch weiterhin durch den VDH direkt betreut.

Ursache für die Gründung des GCD

So weit so gut? Leider nein. Im April 2011 schieden sich die Geister an unterschiedlichen Auffassungen über die Zuchtordnung. Nachdem eine Gruppe von Züchtern und Zuchtrüdenbesitzern für ihre Vorstellungen bei der Mitgliederversammlung keine Mehrheit fand, hob man ebenfalls noch im Aril 2011 den Gos d’Atura Club Deutschland aus der Taufe. Dabei handelt es sich um eine lose Verbindung von Züchtern/Züchterinnen und Zuchtrüdenbesitzern, die sich bestimmten Regeln unterwerfen wollen. Die Mehrzahl der Mitglieder des Clubs verblieb aber parallel auch im PPC. Man versucht nun, sich von den im PPC verbliebenen Züchtern abzugrenzen, indem bestimmtes züchterisches Verhalten ausschließlich den Mitglieder des neuen Clubs zugeschrieben wird. Indem man dies tut, werden die im PPC verbliebenen ZüchterInnen diskreditiert. Aus eigener Erfahrung – wir waren ja kurz auch bei diesem Club dabei – wissen wir zudem, dass propagierte Ziele und Absichten nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen müssen. Dies war übrigens auch Grund für unser Ausscheiden aus dem Club, nur wenige Tage nach dessen Gründung (siehe weiter unten).

Die aktuelle Situation

Die Situation, gekennzeichnet durch die Zerstrittenheit einer Anzahl von AkteurInnen, ist bedauerlich und hilft weder Hund noch Mensch. Insbesondere, weil sich alle zur Pflege und Erhaltung der Rasse bekennen, ist es unverständlich, dass allzu häufig nicht die Hunde, sondern die Menschen und deren Befinden in den Vordergrund rücken. Realistisch betrachtet scheint ein Zusammenschluss und damit die Bündelung der Interessen in absehbarer Zeit leider nicht möglich. Zu Viele müssten über ihren Schatten springen und die Auseinandersetzungen der Vergangenheit vergessen. Hierzu scheint die Mehrzahl nicht bereit. Gleichwohl versucht dies der amtierend Vorstand des PPC. Man darf ihm viel Erfolg dabei wünschen.

Worin bestehen die Meinungsverschiedenheiten? Primär geht es um die Regularien der Zucht, die sich in der Zuchtordnung niederschlägt. Aktuell streitet man über den frühesten Zeitpunkt der Belegung einer Hündin. Gestritten wird zwischen 18 und 24 Monaten. Der zweite Punkt der Auseinandersetzungen betrifft die Anzahl Würfe, die eine Hündin im Leben haben darf. Während sich die eine Gruppe an den Regelungen des VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) orientiert, möchten deren Gegner die Zahl der Würfe auf 4 begrenzen. Bemerkenswert dabei ist, dass es noch im März 2010 ein einstimmiges Votum für die weniger restriktiven Regeln gab, also 18 Monate und 1 Wurf pro Kalenderjahr. Auch diejenigen, die jetzt im Gos d’Atura Club Deutschland organisiert sind, stimmten, soweit sie bei der Mitgliederversammlung zugegen waren (und es war die große Mehrheit der Mitglieder des GCD), seinerzeit für die Regelungen, die sie nun massiv bekämpfen. Es ist schon etwas merkwürdig, wenn man dann als Reaktion darauf, dass die Mitglieder nicht jedem Vorschlag folgen, mit Niederlegung aller Ämter im Verein bis hin zum Austritt antwortet.

Unterschiedliche Interessen  der ZüchterInnen sind maßgebend

Keineswegs charakterisieren nur die aktuellen Streitigkeiten die Gos-Zucht in in unserem Land. Offenbar kommen zu den unterschiedlichen Auffassungen die Zucht betreffend, auch differente Interessenlagen der Züchter hinzu. Nach unserer Auffassung ist der verantwortliche Umgang mit den eigenen Hunden oberstes Gebot für einen Züchter. Alle Aktivitäten haben sich daran zu orientieren. Zuweilen aber gewinnt man den Eindruck, dass finanzielle Interessen hier und da zum bestimmenden Faktor in der Zucht geworden sind. Ohne die gebotene Rücksicht auf die Gesundheit der anvertrauten Hunde. Hier sind die Vereine und auch der VDH gefordert, die ja nur die Hobbyzüchter als die von ihnen vertretene Klientel bezeichnen. Uns fällt es in diesem Zusammenhang schwer, Argumenten zu folgen, die Haltung von 10 und mehr Hunden, mit angestelltem Personal zu deren Pflege und Haltung, noch als Hobbyzucht zu charakterisieren. Wer selbst auch nur einen einzigen Wurf mit der notwendigen und verantwortungsbewussten Hingabe betreut, weiß,  welcher Aufwand dafür erforderlich ist.

Unsere Beobachtungen führen zu dem Ergebnis, dass die Bereitschaft zum Kompromiss in der deutschen Gos-Zucht in bemerkenswertem Maß unterentwickelt ist. Die Bereitschaft zur flexiblen Auslegung der Regularien dagegen steigt dagegen in  Abhängigkeit vom Nutzen für den Betrachter oder für die Ziele des Vereins. Beispiel: Gos als Hüte- und Herdenhunde sind Familienhunde. Hält man diese im Zwinger oder in Anbindehaltung kommt es vielfach zu Auffälligkeiten im Verhalten. Aber sowohl der CGC als auch der PPC haben ihre diesbezüglichen Regeln immer wieder angepasst, um den Haltungsbedingungen bei einzelnen Züchtern Rechnung zu tragen. Der PPC nahm den Hinweis, dass Gos nicht im Zwinger oder in Anbindehaltung gehalten werden, vor ca. 2 Jahren sogar von seiner Startseite, statt die Zuchtordnung entsprechend zu ändern. Selbst der neue Gos d’Atura Club Deutschland, der in seinen Regularien die Zwinger- und Anbindehaltung garantiert ausschließt und dies, wie seinerzeit der PPC, auf der Startseite seiner Homepage propagiert, möchte diese Regeln nicht auf Deckrüden angewandt wissen. Genau dieses Verhalten veranlasste uns, nur wenige Tage nach der Gründung den Club wieder zu verlassen. Insgesamt also scheint Flexibilität bei der Verfolgung (eigener?) Ziele eine große Rolle zu spielen. Und wenn man genau hinschaut, sind es annähernd die gleichen Personen, die von Verein zu Verein und von Verein zu Club wandern.

Das Erscheinungsbild der Rasse hat sich verändert

Wir mussten auch feststellen, wie unangenehm man auffällt mit Fragen zum Erscheinungsbild vieler in Deutschland gezüchteter Gos im Vergleich zum Rassestandard und im Vergleich zu deren ursprünglichem Aussehen. Längst muss man doch erkennen, dass es zwei Richtungen bei uns gibt. Wir haben schon Show- und Arbeitshunde. Die einen kommen als wollige Gestalten daher, während die anderen eher der ursprünglichen Form entsprechen. Und es geht darüber hinaus. Galt es noch vor 3 – 4 Jahren als ungeschriebenes Gesetz, einen Gos kürzestens 1 Woche vor einer Ausstellung zu baden und letztmals 1 Tag vor der Ausstellung zu bürsten,  haben wir uns längst davon verabschiedet. Viele Gos kommen regelrecht toupiert, mit einer Vielzahl von Sprays und anderen Mitteln vorbehandelt in die Ausstellungshalle. Oder die Frage danach, warum einige Hunde – entgegen den Regeln für eine Zuchthunde-Ausstellung – nicht von Beginn der Ausstellung an in der Halle verweilen, sondern erst unmittelbar vor dem Richten hereingeführt werden? Wer von den Züchterinnen und Züchtern gerne zu Ausstellungen geht und Preise erringen möchte, der muss zwangsläufig auf diese Züge aufspringen, weil dieser Art aufbereitete Hunde zumeist als Sieger vom Platz gehen. Dies führt – wenn man nicht aufpasst – zwangsläufig zu einer Veränderung des Erscheinungsbildes unserer Rasse. Dürfen wir das zulassen?

Unsere Gos d’Atura haben die permanenten Auseinandersetzungen ihrer Züchterinnen und Züchter nicht verdient. Gut, dass sie es nicht wissen, sonst würde sicher der eine oder die andere mal die Zähne zeigen.